Im Wandel Teil1

Teil 1

Es ist der 05.te April 2018, ein Donnerstag, genau zehn Minuten nach fünf Uhr morgens. Der Wecker klingelt wie jeden Morgen. Klara und Karl haben eben noch tief geschlafen, jetzt hat Karl sein Handy in der Hand, um den Wecker auszustellen und beide wünschen sich einen guten Morgen. Klara räkelt sich und erzählt von ihrem Traum.

>>Wir waren heute Nacht auf Tero. Es war so schön dort und ich habe ein Stück Kuchen gegessen, das war so gut<<

>>Ja, mit Karotten und Schokolade<< sagt Karl.

Dann schweigen beide. Sie hat von einem Traum erzählt und er kennt ihn. Wie kann das sein?

>>Und Tero sagt dir auch etwas? << fragt Klara.

>>Die immergrüne freie Welt. Unser Pendant und Zwilling. Ich glaube, wir haben beide dasselbe geträumt<<

Klara setzt sich im Bett auf und meint, dass das doch gar nicht möglich ist. Nein, sagt Karl. Das ist eigentlich gar nicht möglich.

>>Vielleicht hast du im Schlaf gesprochen?<< vermutet er.

>>Aber ich habe auch noch den Geschmack von Schokolade auf der Zunge<< sagt sie.

>>Ich auch<< sagt Karl.

Im Dämmerlicht betrachtet Klara ihre Hände. Irgendetwas ist anders. Eigentlich hat sie Wurstfinger. Und heute wirken ihre Finger sehr lang und schmal. Und auch der Schlafanzug kommt ihr sehr weit vor. Vielleicht hat sie über Nacht abgenommen? Fast wie in „schlank im Schlaf“. Jemand sollte mal das Licht anmachen. Als sie zum Nachttisch greifen möchte, entdeckt sie…. >>Haare! Ich habe lange Haare<<, sie schreit fast.

Jetzt macht Karl das Licht an und nun sehen sie es.

Der, der da neben ihr liegt, das ist gar nicht Karl.

Die ,die da neben ihm liegt, das ist gar nicht Klara.

>>Wer sind sie?<<

>>Wer sind denn sie?<<

Das sind nicht die typischen Fragen, die in einem Schlafzimmer gestellt werden sollten.

>>Wo ist denn mein Mann?<<

>>Wo ist meine Frau?<<

Klara springt aus dem Bett und rennt zur Tür. Sie will zum Telefon. Dabei stolpert sie über Max, ihren jungen Terrier, der sie sehr wohl zu kennen scheint und freudig begrüßt.

Eigentlich will sie die Polizei anrufen, denn statt ihrem Karl steht da ein junger und zugegebenermaßen recht ansehnlicher Mann neben dem Bett. Und hat Karl´s Handy in der Hand. Der Mann verstellt ihr den Weg. >>Hiergeblieben, wo ist meine Frau?<< Auch er will die Polizei anrufen, denn er kennt die Frau nicht, die da versucht, an ihm vorbei zu stürmen.

Klara sinkt fassungslos auf das Bett.

Sie haben denselben Traum geträumt und denselben Geschmack auf den Lippen. Und sie sehen aus, wie zwei junge, hübsche Elfen. Wie Theodor und Deliana, ihre Freunde auf Tero, mit denen sie heute Nacht den Geburtstag von Deliana gefeiert hatten.

>>Karl?<<

>>Ja?<<

>>Wenn ich aussehe wie Deliana und du wie Theodor, wie sehen denn dann die beiden aus? Vielleicht wie wir? <<

Karl sieht sie erschrocken an. Er weiß nicht, was er denken soll. Er ist Ingenieur, da passieren einem solche Dinge nicht. Vor allem, wenn es so etwas gar nicht gibt.

Wieso sollte sich denn seine Frau plötzlich verändert haben? Und wieso sollte er sich verändert haben? So etwas gab es doch gar nicht.

Klara sieht ebenfalls an sich herunter. Die Figur, die sie nun hat….. So eine Figur war immer ihr Traum. „Zart und doch weiblich“, wie ihre Mutter gesagt hätte. Klara war ihrer Meinung nach immer viel zu groß für eine Frau, sie hatte breite Schultern, ein paar Kilo zu viel und kurze, mittlerweile ergraute Haare. Nichts im Vergleich zu den langen rotbraunen Locken, die ihr jetzt weit über die Schultern fallen.

>>Donnerwetter<< sagt sie.