Im Wandel Teil2

Teil2

Karl sieht sie an. Ein gestandener Mittfünfziger wird nicht plötzlich zum Waldelfen. Ein Ingenieur träumt nicht von Elfen. Er lässt sich schwer auf das Bett fallen, neben seine Frau, die wunderschön ist. Aber auch er sieht richtig gut aus. Mit langen braunen Haaren, einem eindrucksvollen Brustkorb und es fehlt eindeutig der Bauch, den er sich im Laufe der Jahre angegessen hat.

Hier auf der Erde, in seiner Stadt, in seinem Haus, stand man auf, ging unter die Dusche, frühstückte und fuhr zur Arbeit. Man ärgerte sich über irgendwelche Idioten, die einen auf der Autobahn rechts überholten, Kollegen, die nichts konnten, nichts arbeiteten, aber das mit vollem Einsatz. Abends war man froh, nach Hause zu kommen. Auch wenn es gesundes Gemüse und kein Schnitzel gab. Ging man halt heimlich nochmal an den Kühlschrank.

Mit all dem kann er leben. Aber nicht mit langen, zu einem Zopf gebundenen Haaren und einem silbernen Armreif in Form eines Drachens um das Handgelenk. Er versucht, zumindest das Drachenband von seinem Handgelenk zu entfernen. Der Drache öffnet ein Auge und Karl….. fällt in Ohnmacht.

Klara ist ordentlich erschrocken. Tränen laufen ihr übers Gesicht. Was, wenn er jetzt stirbt? Was, wenn man so eine Verwandlung nicht unbeschadet überstehen konnte?

>>Karl, Karl, wach doch bitte auf! Du wirst sehen, es ist alles gar nicht so schlimm. Bestimmt verwandeln wir uns bald zurück, oder vielleicht heute Nacht. Wir bleiben einfach Zuhause und schlafen. Und wenn wir wieder aufwachen, dann sind wir wieder wir. Karl, bitte wach doch auf!<<

Karl stöhnt leise und öffnet die Augen. Entschuldigung Klara, ich bin nur einfach so erschrocken. Er nimmt ihren Kopf in beide Hände und gibt ihr einen Kuss. Eigentlich fühlt sie sich an wie immer. Wenn man die Augen zumacht, hat sich nichts verändert. Also macht er sie zu.

Klara legt ihren Kopf auf seine Brust und so bleiben sie eine Weile liegen. Im Bett ist es warm und sicher.

>>Vielleicht bleiben wir wirklich einfach Zuhause. Du kannst so nicht in die Firma fahren und ich arbeite von hier aus. Sag Deinem Chef, dass du ein- zwei- Tage homeoffice machst. Zu essen haben wir genug, so müssen wir auch nicht raus.<<

Klara ist schon dabei, Pläne zu machen. Bloß nicht nach draußen gehen und Erklärungen finden müssen, die sie nicht hat. Sich erklären müssen, das ist schon im wirklichen Leben hart.

>>Wie lange soll das denn gehen? Willst du dich jetzt nur noch verstecken?<< fragt Karl unwirsch.

>>So eine Verwandlung kann ja nicht ewig dauern. Und die paar Tage oder vielleicht sogar nur Stunden überstehen wir doch mit links<< Klara lächelt zuversichtlich.

>>Ich brauche jetzt erst mal einen Kaffee<< sagte Karl, steht auf und stapft zum Schlafzimmer hinaus, die Treppe hinunter in die Küche. Klara folgt ihm. Eigentlich will sie in ihre Hausschuhe steigen, aber irgendwie fühlt sich „barfuß“ heute gut an. Nachdenklich wickelt sie eine ihrer neuen Locken um den Zeigefinger. Abrupt lässt sie los. Das waren doch die Dinge, die ihr an den langhaarigen Frauen immer auf die Nerven gingen. Ständig wurde gewickelt und geworfen. Aber was sollte man mit so einer Pracht auch sonst machen?

Max läuft fröhlich vor ihr die Treppen hinunter und sie lässt ihn schnell in den Garten. Dabei fragt sie sich, warum der Hund kein Problem mit ihrem Aussehen hat und sie ohne weiteres erkannt hat. Eigentlich sehr interessant. Was „sieht“ ein Hund in seinem Menschen? Nur das Äußere oder vielleicht auch die Seele, das Innere?

Karl hatte Pulver in den kleinen Kaffeebereiter gegeben und füllt gerade kochendes Wasser hinein. Dann drückt er den Filter herunter. Klara füllt ihre zwei Tassen mit Kaffee voll und gießt kalte Milch hinzu. Sie setzen sich und trinken

>>Ja pfui Teufel, was ist denn mit dem Kaffee los?<<

Klara wird richtig übel und sie setzt die Tasse eilig ab. Karl geht es nicht besser.

>>Scheints sind wir über Nacht auch unser Lieblingsgetränk losgeworden<< sagt er konsterniert. Klara füllt zwei Gläser mit kaltem, frischem Leitungswasser. Sie trinken und es schmeckt richtig gut.

Dann kocht sie einen Tee.