Im Wandel Teil3

Teil 3 – Im Wandel

Plötzlich fragt Karl: >>Was sagen wir denn den Kindern?<<

Klara erschrickt. Anna will heute vorbei kommen. Sie hat irgendeine Neuigkeit, die sie ihnen unbedingt erzählen möchte. Klara nimmt ihr Handy und fängt emsig an, eine WhatsApp-Nachricht zu tippen.

>>Wem schreibst du denn in aller Herrgottsfrühe?<< fragt Karl.

>>Na Anna. Ich schreibe, dass wir beide Magen-Darm haben und es keine gute Idee ist, heute zu kommen.<<

>>Irgendwann musst du es ihnen sagen<< meint Karl.

>>Irgendwann sind wir wieder wir, vielleicht schon in ein paar Stunden und ich habe dann die Zeit damit verbracht, unseren Kindern zu erklären, warum wir plötzlich so schön sind.<<

Beide grinsen. Denn schön sind sie nun wirklich. Bei den Gedanken an ihre Kinder, verblasst das Grinsen.

Sie beschließen erst einmal zu duschen, sich etwas anzuziehen und dann beim Frühstück Pläne zu machen.

Selbst die erste Dusche als Elf ist eine Herausforderung. Sich nackt im Spiegel zu betrachten, mag ja eine positive Überraschung sein, aber beide fühlen sich ein wenig wie Spanner. Einen Körper zu waschen, der einem unbekannt ist, ist ein außerordentlich komisches Gefühl. Trägt ein Elf Unterwäsche? Ja, aber nicht unbedingt drei Nummern zu groß. Und was zieht ein Elf an? Vor allem wenn alles andere, ihr wisst schon, drei Nummern zu groß ist.

Als sie wieder in die Küche kommen, sehen beide einigermaßen vorzeigbar aus. Die Sachen, die sie tragen, fallen allerdings sehr locker.

>>Geh nicht zu nah ans Fenster<< ruft Klara, als Karl die Rollladen hochzieht. Sie schaut an ihm vorbei um zu sehen, welche Nachbarn schon wach sind und vielleicht gerade aus dem Fenster sehen.

>>Ich muss noch die Zeitung rein holen<< sagt sie. Und saust geschwind zum Briefkasten und zurück. Max kommt auch gleich mit hinein und geht zu seinem Näpfchen, in das natürlich noch keiner etwas hinein gefüllt hat. Anklagend setzt er sich vor sein Frauchen. Warum erkennt er sie? Das ist beiden ein Rätsel. Denn, sie hätten sich auf der Straße nicht mehr erkannt. >>Da bin ich aber froh, dass ich nicht gerade verreist bin<<, Karl sieht richtig erschrocken aus. Und sieht schon die Schlagzeilen vor sich. „Die eigene Ehefrau nicht mehr erkannt. Na Kunststück!“

>>Wenn jemand fragen sollte, stellen wir uns als Besucher der Hurtmanns vor. Klara und Karl Hurtmann, das sind sie und werden es auch immer bleiben. Egal in was für einem Körper. Beide sagen sich, dass sie um so auffälliger werden, je verstohlener sie sich verhalten.

Nach dem Frühstück, das aus Brot und Marmelade und zwei Äpfeln besteht, ruft Karl seinen Chef an. Er erzählt von einem Hexenschuss und solchen Schmerzen, dass er kaum die Treppe rauf- oder runter gehen kann. Trotzdem wird er im homeoffice arbeiten, bis er sich wieder rühren kann. Der Chef wünscht Karl eine gute Besserung und sie legen auf.

>>Wir wissen einfach nicht, wie lange es dauert und ich muss jetzt nicht raus. << meint Karl. Und auch Klara hält das für eine gute Idee.

Das Telefon klingelt und Klara hebt ab. Natürlich ist es Anna, ihre Tochter.

>>Guten morgen ihr armen<<, ruft es vergnügt aus dem Hörer. >>Wo habt ihr euch das denn geholt? Habt ihr etwas falsches gegessen?<<

>>Das wissen wir nicht, aber es ist besser, wenn du heute nicht vorbei kommst. Vielleicht ist es ja irgendein Virus.<< Klara muss fast grinsen, als sie ihren Karl und seinen Virus betrachtet.

>>Na, ich hab heute eh keine Zeit. Der Chef möchte, dass Frau Meier und ich mit nach London kommen. Wir sind schon am Packen. <<

Sie sehen sich an und sind erleichtert.

>>Aber Micha will vorbei kommen. Ich will ja nichts sagen, aber ihr werdet überrascht sein, wenn ihr ihn seht<<

Nun sehen sich Klara und Karl wieder sorgenvoll ins Gesicht. Michael ist ihr Sohn, der künstlerisch veranlagt ist und nach öfter wechselnden Berufswünschen nun endlich einen Studienplatz für Illustration an der HAW Hamburg bekommen hat. Wenn Anna sagte, dass sie überrascht sein würden, dann würden sie überrascht sein. Aber das war nichts im Vergleich zu Micha´s Überraschung, wenn er seinen Eltern gegenüber stehen würde.

Anna wünscht eine gute Besserung und Klara wünscht ihr eine gute Reise, mit der Bitte, dass Anna auf sich aufpassen soll.

Klara beschließt, ihren Sohn sofort anzurufen um ihn daran zu hindern, sie in ihrem Zustand zu sehen. Aber natürlich ist er nicht abzuhalten. Ihm mache so ein bisschen Virus nichts aus. Er sei jung und gesund und nicht platt zu kriegen und…… Er würde so ca. zum Mittagessen da sein.

>>Hast du denn keine Vorlesung und du weißt schon, dass wir heute nichts essen?<< merkt Klara noch an.

>>Ach, bis Mittag werdet ihr schon wieder in Ordnung sein und ich bringe uns eine Pizza mit. Das heißt, wenn ihr mir das Geld dafür gebt<< , rief Micha vergnügt und hatte auch schon aufgelegt.

Karl plant schon den Besuch akribisch durch. Micha würde  sich selbst aufschließen müssen, damit es nicht schon an der Tür zu Verwirrungen kam.  Und dann musste man ihn überzeugen. Davon, dass man war, wer man war und auch davon, nicht etwa die Polizei zu rufen oder auch nur um Hilfe. Wahrscheinlich wollte Micha gleich Fotos machen und die Bilder auf Facebook und Instagram posten. „Schaut mal meine Eltern an. Plötzlich Elfen!“