Im Wandel Teil4

Teil4

Sie waren gerade mit ihrer „Micha kommt“ Strategie fertig, als es leise an der Scheibe vom Küchenfenster pocht.  Sie sehen auf und da sitzt ein blauer Vogel, der mit dem Schnabel an die Scheibe klopfte. Er ist etwa so groß wie eine Krähe und schillert in den verschiedensten Blautönen.

Max hat den Vogel auch gesehen und springt begeistert bellend über den Tisch ans Fensterbrett. >>Das zur Hundeerziehung<<, brummt Karl.

>>Soll ich das Fenster öffnen?<<,fragte Klara zögernd. So gern sie Tiere mag. Einen blauen Vogel wie diesen, der an ihr Fenster klopft,  hat sie noch nie gesehen.

Das Tier nimmt ihr die Entscheidung ab und fliegt davon. Eine Minute später klingelt es an der Tür.

>>Wir öffnen nicht<<, Karl steht erschrocken an der Küchentür.

>>Wir müssen öffnen<<, sagt Klara. Das Haus ist beleuchtet und jeder weiß, dass wir Zuhause sind.

Also marschiert sie zur Tür und macht auf. Keiner da. Hinter ihr erklingt plötzlich eine Stimme.

>>Wurde aber auch Zeit mit dem Öffnen. Ich habe dringende Nachrichten für Euch<<, spricht der blaue Vogel, der mittlerweile auf eine Stuhllehne im Esszimmer geflogen war.

Seltsamerweise sitzt ihr Hund, der sonst jeden Vogel jagt, brav auf dem Stuhl neben ihm.

In der Küche hören sie einen erstickten Laut. Karl hat den Vogel an der Küchentür vorbeifliegen sehen.>>Elfen, blaue Vögel<<, brummelt er und fängt an zu lachen. Er kann gar nicht mehr aufhören. Der Vogel und Klara schauen sich ernst an.

>>Theodor und Deliana schicken mich. Ihr habt die Körper getauscht. Beziehungsweise wurden eure Körper getauscht. Wahrscheinlich von Quentin, dem Sohn der beiden. Über das Wie wird noch gerätselt und Quentin weiß nicht mehr, wie er das gemacht hat. Er meint, er hätte so ziemlich jeden Spruch ausprobiert, der in einem der Zauberbücher steht, die nicht für die Allgemeinheit zulässig sind. Um genau zu sein, sind sie für alle und jeden verboten! Wie er daran gekommen ist, ist uns allen ein Rätsel. Mein Name ist übrigens Kellermann<< Kellermann zupft echauffiert an einer abstehenden blauen Feder.

Klara dachte nach.  Mit den Freunden von Tero hatten sie gestern richtig Party gemacht . Sie hatten gelacht, gegessen und den Geburtstag von Deliana gefeiert. Wie auch immer sie in diese Parallelwelt gekommen waren, es war schön und sie waren glücklich, wenn sie dort waren.

>>Können sie uns nach Tero bringen? In das Dorf der Elfen, nach Verafels?<< hoffnungsvoll sieht sie Kellermann an.

Doch der Vogel schüttelt tatsächlich den Kopf.

>>Ich bin nur hier, weil die Schwelle von Tero zur Erde immer noch für manche Tiere überwindbar ist. Also zum Beispiel für die blauen Barden wie ich es einer bin. Seit die Pforten geschlossen sind, können nur noch wir zwischen den Welten wandern. <<

Karl starrt ihn nur an.

>>Wie lange glauben sie, dass wir so aussehen und bleiben?<<, fragt er und versteift sich unwillkürlich.

>>Naja, im Moment ist das ein wenig ungewiss. Bestimmt ein paar Stunden<<

Klara und Karl atmen auf.

>>Oder auch ein paar Tage oder wenn es ganz dumm kommt, ein paar Wochen<<, der Vogel wippte auf der Stuhllehne nervös herum.

Die zwei elfenhaften Menschen setzten sich hin. Ihre Füße sind wackelig geworden.

Kellermann beteuert ihnen, wie leid ihm alles tue. Er sei aber nur ein Bote und würde ihnen von nun an immer Nachrichten von Tero bringen und auch ihre Mitteilungen ausrichten. Und dann bietet er ihnen das Du an.

>>Ihr könnt mich gerne Fred nennen und es freut mich, euch kennenzulernen. >>, sagtFred und schaut sie mit seinen Vogelaugen erwartungsvoll an.

Klara und Karl bedanken sich und bieten nun ihrerseits das Du an. Danach war nicht mehr viel zu sagen, denn außer lieben Grüßen fällt ihnen nichts ein, was sie Fred als Nachricht mitgeben konnten. Und so macht sich der blaue Vogel wieder auf den Weg. Morgen würde er wieder kommen, das verspricht er noch.

>>Wir duzen einen Vogel<<, Karl fing wieder das Lachen an. Klara ebenfalls und dann sitzen sie am Tisch und fangen an nachzudenken.

Karl holt  Papier und Stift und sie machen sich daran, Pläne zu schmieden. Pläne für ein paar Stunden, für ein paar Tage und, was Gott verhüten mochte, auch für ein paar Wochen.