Im Wandel Teil 47

Im Wandel Teil 47

Sie verknotet die Finger ineinander und sieht sehr traurig und verhärmt aus. Vielmals bedankt sie sich dafür, dass Mauguri sie in seiner Großzügigkeit mit ihrer Familie aufgenommen hat. Die Kinder und sie würden sich so außerordentlich wohl fühlen und keiner von ihnen wolle hier jemals wieder weg.

Mauguri sieht betroffen aus.

Im Moment muss sie sich noch sehr um die allerkleinsten Kinder kümmern, doch schon bald könne sie ihre Arbeitskraft wieder voll zur Verfügung stellen. Und auch der älteste Sohn kann eigentlich schon mitarbeiten. Immerhin ist er jetzt schon dreizehn Jahre alt. Ganz im Vertrauen sagt sie Mauguri, dass Check ihr seinen Traum verraten hat:

>>Er möchte so gern ihr Lehrling werden. Oder vielleicht ihr persönlicher Diener? Er spricht von nichts anderem mehr <<, Kalina ist von sich selbst überrascht und nimmt sich vor, wenn sie jemals lebend hier rauskommen, Schauspielerin zu werden. In Silberstadt haben sie ein großes Theater und ein Opernhaus. Fast hätte sie ein paar Töne vor sich hin geträllert.

Mauguri hat glasige Augen und nimmt einen Schluck aus einer Flasche. Er muss aufstoßen und stellt die Flasche mit einem Knall auf den Tisch zurück. Dann fragt er : >>Wer von den Kindern saß gestern unter dem Fenster von meinem Arbeitszimmer? <<

Kalina erschrickt. Die Kinder hatten ihr nicht gesagt, dass Mauguri sie ebenfalls bemerkt hatte: >>Tja, ich kann Check kaum zurück halten. Er möchte einfach immer in der Nähe seines Meisters sein. Ich werde ihn nochmals bestrafen müssen.<<

Mauguri grinst. Eigentlich ist er angetan von seinem Fan. Und wer wusste schon, wie es mit dessen Vater weiter ging. Wenn er sich den Sohn richtig zog, hatte er endlich jemanden, auf den er sich verlassen konnte. Was brabbelte die Frau jetzt? Ein Veritanenvogel hätte ihr eine Nachricht gebracht? Von ihrer Mutter?

>>Warum kommt der Vogel nicht zu mir? Wenn hier einer Nachrichten bekommt, dann bin ich das!<<, Mauguri´s Laune hat sich schon wieder verschlechtert.

>>Meister, es tut mir ja unendlich leid. Doch ihr schlieft schon und ich wollte euch nicht wegen der Mutter einer eurer Dienstboten belästigen<<, Fred Kellermann sitzt im offenen Fenster des Arbeitszimmers.

Mauguri fährt zusammen. Wenn hier jedermann ungefragt Zutritt hat und immer zuhören kann, konnte das auch einmal gefährlich für ihn werden. Nun ja, so ein blöder, blauer Vogel konnte nicht viel anrichten.

>>Also was ist denn jetzt mit der Mutter?<<, fragt er ungnädig.

Kalina sieht ihn aus tränen feuchten Augen an: >>Sie hatte einen Unfall. Auf der Flucht vor der Lethariuswüste und nun liegt sie in einem Dorf weiter südlich von hier. Vielleicht stirbt sie. Ich würde gerne hingehen und nach ihr sehen.<<

Mauguri reibt sich nachdenklich die Nase. Er hatte genug Bedienstete und er brauchte die Frau nicht. Wenn sie ihre Brut mitnahm, war das umso besser. Andererseits….. Er sah auf:

>>Du kannst gehen. Nimm deine Kinder mit. Der älteste, wie hieß er noch? Kuck? Der bleibt da. Ich werde mich um ihn kümmern.<<

Kalina fährt der Schreck durch alle Knochen:

>>Meister, ich weiß, wie gerne er bleiben würde. Doch muss er mir tragen helfen. Allein mit den vier kleinen Kindern schaffe ich es nicht so weit. Oder könnten wir vielleicht einen Wagen bekommen?<<

>>Einen Wagen? Geht´s noch? Natürlich nicht <<, Mauguri überlegt. Aber er ist müde und eigentlich ist es ihm egal, ob der Junge bleibt oder nicht. Über kurz oder lang sind sie ja wieder da. Dann fällt ihm noch etwas ein: >> Deinen Mann kann ich aber nicht entbehren. Er wird bald wieder da sein und muss etliches für mich erledigen <<, er erhebt sich schwankend und geht zum Fenster. Mit einem kurzen >>Husch Husch<<, schließt er es und Fred fliegt davon.

>>Wir sind euch alle so dankbar Meister. Mein Mann hat vollstes Verständnis und wir sind ja froh, dass er diese Arbeit hat. Jetzt, wo er nicht mehr im Rat ist. Aber, da mussten ja nun einmal jüngere ran, nicht? <<, Kalina schaut ihn dümmlich grinsend an.

>>Jüngere? Äh… Ja. Genau. Das war ja der Grund, warum wir zurück getreten sind. Frisches Blut. Du weißt schon <<, Mauguri wedelt mit der Hand und Kalina nimmt das als Zeichen, den Raum unter vielen Dankesbezeugungen zu verlassen.

So schnell sie kann, läuft sie zu den Kindern. Sie ist froh, dass er nicht nach dem Namen des Dorfes gefragt hat. In Verafels sind seine Feinde. Da hätte er sie nie ziehen lassen. Aber einen anderen Namen kennt sie gar nicht. Als sie die Küche betritt, sind alle Kinder fertig angezogen und bereit, loszugehen. Sie sieht Check die Erleichterung an. Eilig schnallen sich alle ihre Rucksäcke um und Kalina bindet sich ihr Baby mit einem Tragetuch vorn um den Oberkörper.

>>Los jetzt!<<