Im Wandel Teil 48

Im Wandel Teil 48

Quentin liegt auf seinem Bett in seinem Zimmer und starrt zur Decke. Die Sprüche, die er heute ausprobiert hat, haben die Mauer um das Tor zum Schmelzen gebracht. Aber das Tor blieb geschlossen. Seine Mutter war mit einem Eimer Wasser angerannt gekommen und hatte es einfach an die Mauer geschüttet. Es hatte gezischt und Wasserdampf war in dicken Schwaden aufgestiegen. Deliana war mit den Worten: >>Du zündest uns ja noch das ganze Haus an.<<, wieder verschwunden.

Quentin hatte keine Lust mehr. Nichts funktionierte. Samuel lies sich nicht blicken und Gonzo war immer noch auf der Erde. Von Klara und Karl kamen immer unfreundlichere Fragen. Sie waren jetzt fast vier Wochen verwandelt und es wurde nicht einfacher für sie. Und alle hielten ihn für den Schuldigen. Keiner erwähnte vielleicht einmal Samuel. Nein, der böse, böse Quentin wurde ständig beschimpft. Und Achtung hatte auch keiner mehr von dem angehenden Zauberer. Im Rat hatten sie beschlossen, dass er erst aufgenommen werden würde, wenn es ihm gelang, die Tore zu öffnen.

Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung auf dem Schrank wahr. Er schaute genauer hin. Aha, ein Ecklinger. Diebe und Gesindel. So etwas konnte er jetzt nicht brauchen.

>>Was willst du? Hier ist nichts für dich zu holen. <<

>>Doch, da liegt ein alter Socken. Brauchst du nicht eigentlich zwei? Dann könnte ich diesen doch mitnehmen?<<, der Ecklinger sieht ihn fragend an.

>>Den ersten hast du wahrscheinlich schon geklaut, du Dieb<<, Quentin hat wirklich keine gute Laune.

>>Immer langsam, immer langsam. Ich war noch nie in diesem Raum. Ich bin heute nur hier, weil du uns quasi Feuer unter dem Hintern gemacht hast. Zwei unserer Häuser hast du abgefackelt. Nick´s ist nicht mehr bewohnbar und das von Rasputin kokelt immer noch vor sich hin. Der Socken wird ein Bettbezug. Basta <<, der kleine Ecklinger schmeißt sich den Socken über die Schulter und wendet sich zum Gehen.

Quentin hat sich aufgesetzt. Er ist erschrocken. Eigentlich soll er die Tore öffnen und Welten heilen. Statt dessen passieren ihm immer mehr Fehler.

>>Wohnt ihr hier in unserem Garten an der Mauer, neben dem Tor?<<, fragt er den Ecklinger.

>>Genau dort <<, sagt der kleine Kerl.

>> Ich habe dort noch nie eines eurer Häuschen gesehen. Seit wann wohnt ihr denn da? <<

>>Schon immer. Mal auf der einen, mal auf der anderen Seite.<<

Quentin bleibt der Mund offen stehen: >> Die Tore sind geschlossen, weißt du?<<

>>Die Tore können nicht geschlossen werden. Ihr habt eure Herzen geschlossen. Ist euch nie aufgefallen, dass immer nur Menschen durch die Tore kamen? Kein Elf, kein Zauberer, kein Drachen. Wir Ecklinger haben uns nie an eure Schließung gehalten. Wir sind auch nur das Volk der Diebe und Tunichtgute. Warum sollten wir uns an eure Gesetze halten? Vögel wie Fred halten sich auch nicht daran. Und selbst ihn habt ihr nie gefragt, wie er das macht. Die Tore machen den Durchgang leichter. Zwischen den Welten stecken zu bleiben, tut keinem gut <<, Fin, der kleine Ecklinger hat sich an den Rand des Schrankes gesetzt und schaut auf Quentin hinunter.

>>Würdest du mit mir zum Tor gehen? Und hindurch? Jetzt? Bitte <<, Quentin ist aufgestanden.

>>Setz mich auf deine Schulter. Ich möchte einfach nicht, dass du noch mehr unserer Häuser anzündest oder noch schlimmeres <<, Fin lacht.

Auf dem Weg in den Garten ruft er seinen Eltern zu: >>Mom, Dad? Ich gehe jetzt durchs Tor. <<

Doch mittlerweile ist keiner mehr so recht an seinen Versuchen interessiert und so lächeln ihm alle nur müde zu. Quentin wird rot, einerseits vor Wut, andererseits, weil er sich schämt.

>>Ihr werdet schon sehen >>, murmelt er, dreht sich um und marschiert mit Fin auf seiner Schulter in den Garten.

Vor dem Tor angekommen, wird ihm mulmig. Wenn das jetzt wieder nicht klappt, wird er aufgeben.

>>Was steht denn in dem Torbuch, das du dir immer wieder ansiehst? <<, Fin schaut ihn fragend an.

Quentin versucht sich zu erinnern: >> Eine Waranwurzel! Die brauchen wir! <<

>>Nein, nur wenn du Waran anbauen willst. Das hat irgendein Scherzkeks geschrieben <<, der kleine Mann auf seiner Schulter hält sich mittlerweile an seinem Ohr fest.

Quentin denkt weiter scharf nach. Dann sagt er ein wenig zaghaft: >> Lass die Seele baumeln und wandere zwischen den Welten? <<

>>Genau!<<

Und Quentin nimmt all seinen Mut zusammen und tritt durch das Tor.

>>Klara! Karl! Micha! Anna! Jenni! Kommt alle her! Quentin ist gekommen! Quentin ist durch das Tor gekommen! Gonzo schreit überglücklich.