Im Wandel Teil 49

Im Wandel Teil 49

Gonzo umarmt seinen Freund überglücklich. Um die beiden herum stehen die anderen und klopfen Quentin immer wieder auf den Rücken. Dann gehen sie langsam hinein und setzten sich ins Wohnzimmer.

Klara und Karl haben seit zwei Tagen richtig Ärger mit den Müller´s, ihren Nachbarn. Die klingeln jeden Tag und wollen endlich wieder die Hurtmann´s sehen. Heute Vormittag haben sie mit der Polizei gedroht. Der Chef von Karl ist ebenfalls nicht mehr gut auf ihn zu sprechen und hat ihm nahe gelegt, doch endlich Konsequenzen zu ziehen, wenn er nicht wieder in der Firma auftauchen würde. Man kann in diesem Land nicht einfach verschwinden. Vielleicht ging das ja woanders, hier aber nicht. Und ohne Ausweis oder Pass kamen sie nirgendwohin. Wenn das Gesicht auf dem Passfoto ganz anders aussah als man selbst, konnte man den Pass vergessen. Das alles sprudelt aus Klara heraus, während ihr alle zuhören. Klara hatte die ganze Zeit über den Verdacht gehabt, dass die Leute aus Tero ihre Situation nicht so ganz begriffen. Selbst Gonzo nahm das nicht so ernst und sie hatte gemerkt, dass er sich keine große Mühe mehr gab, sich zu verstecken. Auch jetzt hatte er mitten in ihrem kleinen Garten vor dem Tor nach allen gerufen. Es war helllichter Tag. Wenn jemand aus dem Fenster gesehen hatte, würde es wohl bald klingeln. Sie war es leid, nach Erklärungen suchen zu müssen. Ihr ging plötzlich alles fürchterlich auf die Nerven. Sie war stolz auf ihre Kinder, die halfen, wo sie nur konnten. Die fast jeden Tag nach dem Rechten sahen und ihre Eltern nicht allein ließen. Die mit ihren Träumen und Plänen nicht länger warten wollten, sondern sie gleich heute, jetzt umsetzten. Sie war froh, dass sie Jenni gefunden hatten, die jeden Tag mit Karl lernte und die die Freundschaft zu allen so sehr genoss und auch brauchte. Und sie hatte in dem Monat mehr über Pflanzen gelernt, als ihr ganzes Leben zuvor und das sah man ihrem kleinen Garten an. Sie hatte nicht gewusst, dass man solch leckeres Essen aus ein wenig Gemüse und ein paar Kräutern zaubern konnte. Sie hatte sich ja eh nicht getraut, einkaufen zu gehen. Und als Micha letzthin ein paar Burger mitgebracht hatte, hatte sie allein der Fleischgeruch angeekelt.

Aber jetzt wollte sie einfach, dass alles wieder ein bisschen war, wie vorher. Sie wollte im Schlafanzug in der Küche sitzen, Zeitung lesen, Kaffee trinken und hoffen, dass die vielen schlechten Nachrichten einfach aufhörten. Dass irgend welchen gescheiten Leuten etwas gegen die Umweltverschmutzung einfiel. Dass jemand das Plastik aus den Meeren gefischt hatte, während sie schlief. Dass es einfach sein würde, nachhaltig zu leben. Dass sie kein schlechtes Gewissen mehr haben musste, weil sie ihren Kindern Probleme hinterließ, die diese kaum bewältigen konnten. Dass die Menschen aufhörten, immer und immer wieder Kriege zu führen.

Klara putzt sich die Nase und sieht müde aus dem Fenster. Dann werden ihre Augen runder, denn da stehen plötzlich Samuel, Deliana und Theodor in ihrem Garten. Sie müssen gerade durch das Tor gekommen sein. Allerdings sehen sie nicht zum Wohnzimmerfenster herein, sondern zum Gartentür und dort stehen….

>>Die Müller´s, ihre Nachbarn, verdammt nochmal<<, Klara springt auf. Doch Micha ist noch schneller und auch schon zur Terrassentür hinaus.

>>Da staunt ihr, liebe Eltern was? <<

Deliana und Theodor schauen ihn etwas erstaunt an. Aber sie sehen nun mal aus wie seine Eltern und müssen vor den Nachbarn mitspielen.

>>Den Garten haben wir praktisch generalüberholt. Ihr seht ja die vielen Pflanzen zum ersten Mal. Das Essen ist übrigens fertig. Jetzt essen wir erst einmal etwas, ja? Einen schönen Abend Frau Müller, Herr Müller <<, Micha strahlt in die Runde.

>> Aber ihre Kinder haben doch gesagt, dass sie in Kanada waren ? <<, Frau Müller lässt sich nicht beirren.

Micha sieht seine „Mutter“ beschwörend an. Und die sagt brav: >>Waren wir ja auch, aber wir sind über Verafels gekommen. <<

>>Verafels, wo liegt denn das? <<, Herr Müller ist interessiert.

>> Ach, im hohen Norden. Da haben sie nur unseren Onkel Samuel mitgebracht. Aber jetzt müssen wir wirklich zum Essen. Einen wunderschönen Abend noch <<, Micha schiebt die drei Ankömmlinge energisch zur Terrassentür.

>>Na, auf jeden Fall ist es sehr schön, dass sie wieder da sind. Wir fanden die Untervermietung ja nicht so gut. Wir hätten ja auch auf das Haus aufpassen können <<, Frau Müller will einfach noch keinen schönen Abend haben.

>>Ach Mensch, das wäre ja die Idee gewesen<<, Anna strahlt. Sie zieht gerade an Samuel, der wieder stehen geblieben ist und den anderen Zweien den Durchgang versperrt. >>Das nächste Mal müsst ihr euch aber unbedingt bei den Müller´s melden. Dann wäre hier nicht Sodom und Gomorrha ausgebrochen <<.

>>Genau<<, hören sie noch von den Müller´s, dann machen sie winkend und strahlend die Türe zu.