Im Wandel Teil 53

Im Wandel Teil 53

>>Also, wir warten hier im Auto auf dich. Wir können dich die ganze Zeit über hören und wir sehen genau das, was du auch siehst. Höre mir einfach immer zu, bevor du etwas antwortest. Wir sind alle Wege durchgegangen und wenn du dich verlaufen solltest, sage ich dir, wo du hin musst. Du wirst sehen, es klappt so gut wie heute morgen bei Dr. Haulmann. <<

Theodor sieht Karl zweifelnd an. Beim Arzt waren ihm so viele Fehler passiert, dass er den Doktor gar nicht mehr von seinem Burnout Syndrom überzeugen musste. Er hatte ein Attest für die nächsten zwei Wochen bekommen und eine Menge Überweisungen zu Fachärzten und Psychotherapeuten. Mit dem Attest standen sie jetzt vor Karl´s Firma. Anna hinter dem Lenkrad, Karl neben ihr und Theodor machte sich auf dem Rücksitz fertig. Anna war von ihrem Vater als Taxifahrerin rekrutiert worden, denn er selbst durfte im Moment nicht fahren, und Theodor, auf den das Foto im Führerschein gepasst hätte, konnte gar nicht Auto fahren. Elfen können allgemein nicht Auto fahren. Übrigens auch nicht reiten. Die einzigen „Reittiere“ auf Tero waren die Einhörner und die widersetzten sich stoisch jedem Reitversuch.

Kamera und Mikrofon wurden noch einmal getestet und dann machte Theodor sich auf den Weg. Wie er da so mit hängenden Schultern auf den Eingang zuging und freundlich den Pförtner grüßte, machte er einen kranken und angeschlagenen Eindruck. So sollte es sein.

Die erste Hürde, das Personalbüro im ersten Stock, war schnell genommen. Anna und Karl entspannten sich ein wenig. Dann ging es hinauf in den dritten Stock zu Michael Pleilinger, Karl´s Chef. Mit dem Michael arbeitete er schon seit fast dreißig Jahren zusammen. Sie kannten und sie mochten sich. Vielleicht waren sie keine Freunde, aber sehr gute Kollegen. Es war kurz nach elf Uhr Vormittags und Theodor klopft an Michael´s Tür.

>>Herein? Ach sieh da, der Karl, der verlorene Sohn. Ich habe kaum mehr zu hoffen gewagt, dich in diesem Leben noch einmal wieder zu sehen. Du weißt schon, dass es für dich richtig Zeit wurde, hier wieder aufzutauchen?<<

Der verwandelte Theodor begrüßt Michael mit einem Handschlag und sagt brav, wie sehr er sich freue, wieder hier zu sein. Die beiden Männer setzen sich gegenüber.

>>Also erzähl, was ist denn los bei Euch? <<, Michael sieht ihn aufmunternd an.

Und Theodor bzw. Karl erzählt. Von großen Problemen mit der Tochter (die im Auto empört die Luft anhält), über die er im Moment noch nicht reden möchte. Und von den gesundheitlichen Problemen, die er jetzt hat. Aus diesem Grund war er heute endlich einmal beim Arzt und der hatte ihn für mindestens die nächsten zwei Wochen krank geschrieben. Das tue ihm auch sehr leid, aber er sehe sich im Moment einfach nicht mehr raus. Theodor hält inne und wartet auf Michael´s Reaktion. Auch Karl und Anna sitzen im Auto und warten gespannt. Aber irgendwie hören sie nur ein Rauschen. Auf dem Monitor ist Michael zu sehen, wie er den Mund offen hat, aber er bewegt sich nicht.

>>Was ist denn jetzt los? Irgendetwas funktioniert da nicht <<, Karl tippt hektisch auf der Tastatur herum. Anna klopft auf das Mikrofon.

Nichts.

Sie können das Gespräch nicht hören und die Reaktion von Michael nicht sehen. Nach fünf Minuten legt Karl das Laptop weg. Er steigt aus dem Auto und beginnt, hin und her zu laufen. Das war es dann wohl. Er konnte Theodor nicht helfen und der würde sich oder eher ihn um Kopf und Kragen reden. Er würde, ach was, er hatte wohl schon seinen Job verloren. Fünfunddreißig Jahre war er in dieser Firma gewesen. Nie hatte er sich etwas zu schulden kommen lassen. Er hatte gerne gearbeitet und war auch gerne gereist. Technik war immer sein Leben gewesen. Mit diesem Job hatte er seiner Familie etwas bieten können. Er hatte seine Kinder groß werden sehen. Sie konnten keine riesigen Sprünge machen, aber es ging allen immer gut. Darauf war er stolz gewesen. Alles richtig gemacht, sozusagen. Und jetzt war es vorbei. Einfach so. Weil er aussah, wie irgend so ein blöder Filmschauspieler. Hilflos sah er zu seiner Firma. Er wollte jetzt seine Tochter nicht ansehen. Väter weinen nicht.

Anna liefen ebenfalls die Tränen runter. So hatte sie ihren Vater noch nie gesehen. Er konnte auch mal wütend werden und schreien, oder er brummelte vor sich hin. Aber jetzt starrte er nur auf den Firmeneingang und schwieg.

So saßen sie eine halbe, dann eine dreiviertel Stunde und warteten. Theodor kam nicht. Irgendwann stieg Anna doch aus dem Auto.

>>Meinst du, sie haben ihn verhaftet? <<, sie stellte sich neben ihren Vater.

>>Ich weiß es nicht. Er darf als einer, der nicht angestellt ist, natürlich nicht das Firmengelände betreten. Ich weiß es einfach nicht <<, Karl schluckt schwer.

Was, wenn Theodor jetzt verhaftet würde? Wie konnte er den Kerl nur in solche Gefahr bringen? Was würde Klara dazu sagen. Er musste sie anrufen.

>>Papa, schau mal. Da kommt Theodor und ist das nicht dein Chef, der Mann da neben ihm?<<

Die zwei Männer kamen zum Auto und Michael Pleilinger tritt auf Karl zu.

>>Karl? Wir haben, glaube ich, Redebedarf.<<