Im Wandel Teil 55

Im Wandel Teil 55

>>Wir kommen nicht mit. Du schreist nur noch rum. Nichts kann man dir recht machen. Du hast mir zum Abschied eine Ohrfeige gegeben, weil ich nicht schnell genug deine Sachen gebracht habe. Seli hat Angst vor dir und die anderen auch.

Die Mama hat jeden Abend geweint, wenn du nicht da warst und wenn sie gedacht hat, dass wir schlafen. Du stinkst nach dem Zeug, das du jetzt immer trinkst. Ich hasse dich <<, Check schreit seinen Vater an. Er hat immer noch den Stock in der Hand.

Kanter sieht ihn an, als wäre er irgend ein hässliches Tier. Er reagiert nicht weiter darauf, sondern dreht sich um und ruft ins Gebüsch:

>>Kommt raus und helft mir, die Kinder zu verstauen.<<

Aus dem Gebüsch treten zwei Männer. Sie haben Glatzen, derbe Gesichter und tragen seltsame, schwarze Anzüge. Hinter ihnen steht einer der Ziehmelwägen. Mit diesen Wägen kann man durchs Gelände fahren, aber auch darüber hinwegfliegen. Sie sehen eher aus, wie aus Gras, Blättern und Heu gemacht. Dennoch sind sie die einzigen Fortbewegungsmittel, die es auf Tero gibt. Außer der eigenen Füße, versteht sich. Kalina ist auf die Knie gesunken und bittet ihren Mann, ihr die Kinder zu lassen:

>>Wir sind doch eine Familie. Wir haben uns einmal versprochen, füreinander und miteinander zu sein. Wir haben uns doch einmal geliebt. Erinnere dich doch bitte daran….. Bitte.<<

Als sie versucht Pimperlie festzuhalten, stößt sie einer der Männer zur Seite. Fast fällt sie auf ihr Baby Janu, das sie vor den Bauch gebunden trägt. Der Mann nimmt den kleinen, vierjährigen Jungen an die Hand und zerrt ihn zum Auto. Pimperlie schreit laut und beißt Kanter´s Helfer in die Hand. Der lässt ihn los, eher vor Schreck, als vor Schmerzen. Wie der Blitz ist der Junge im Gebüsch verschwunden.

>>Dann krall du dir das Mädchen und Kevin soll sich um Check kümmern. Nimm ihm den Stock weg und ab mit ihm in den Wagen <<, Kanter dreht sich zu seiner Frau herum. Die sitzt mit schreckgeweiteten Augen auf dem Boden. Sie hält Janu in ihren Armen. Tränen laufen ihr herunter.

>>Du hättest nicht einfach verschwinden sollen. Wenn wir schon eine Familie sind, dann wäre dein Platz an meiner Seite gewesen. Mit dir wollte ich die Welten einnehmen. Dich hätte ich zur Kaiserin gemacht. Du hättest mit mir das Universum bereisen können. Jetzt kannst du krepieren <<, Kanter sieht sie hasserfüllt an.

Mauguri hatte sich halbtot gelacht, als er erfahren hatte, dass ihm seine Frau davon gelaufen war. Er hatte ihn gefragt:

>>Was willst du denn mit der ollen Schrulle? Wenn wir erst alles haben, wofür wir hier kämpfen, das ist dir doch klar, dann kannst du jede haben. Selbst Eliana, die ach so tolle Königin der Silberstadt. Hol dir deine Kinder zurück. Die können wir brauchen.<<

Kanter hatte ein paar Stunden gebraucht, bis er aufbrechen konnte. Die Wägen fuhren nur mit der Kraft eines Zauberers. Der Verrat seiner Frau hatte ihn für kurze Zeit schachmatt gesetzt. Doch dann war sie Geschichte und an die Stelle, die sie in seinem Herzen eingenommen hatte, war abgrundtiefer, brennender Hass getreten. Sie waren erst heute Morgen aufgebrochen. Auch, weil er sich zwei verschwiegene Männer aus dem Heer vor der Burg gesucht hatte. Und jetzt würde er seine Brut einpacken, die ihn eigentlich nicht interessierte. Aber das würde der Schlampe das Herz brechen. Hinter sich hört er den erstickten Schrei seiner größeren Tochter. Doch dann ist ein Knurren zu hören. Als er sich erstaunt umdreht, sieht er einen riesigen, schwarzen Schatten, der auf seine Tochter und den Helfer zuspringt. Der Mann sieht dem Wesen entgegen und hält das kleine Mädchen wie ein Schutzschild vor sich. Doch das Tier springt über das Kind hinweg, an die Kehle des Kerls und beißt sich fest. Der fällt nach hinten in den Bach und lässt Seli dabei los. Man hört noch ein Knurren und ein Gurgeln. Dann färbt sich der Schaum im Wasser rosa und tiefrote Schlieren fließen das Bachbett hinab. Der Helfer rührt sich nicht mehr.

Kanter hebt seinen Arm. Es gab genügend Sprüche, die einen Feind den Garaus machen konnten. Doch ehe er auch nur A sagen konnte, werden ihm die Arme auf den Rücken gedreht.

>>Immer langsam mit den Zaubersprüchen. Wir wollen doch keinem wehtun <<, Thomas, der Elf, der vor ein paar Wochen aus Klarox entkommen war, hält ihn fest. Zwei weitere Elfen, Zangor und Tom treten neben ihn. Sie sind der kleinen Familie entgegen gekommen. Fred hat sie mobilisiert und sitzt, direkt über ihnen, auf einem Ast.

Als der zweite Handlanger Kanter´s feststellt, dass sein Kollege tot und der Meister in einer prekären Lage ist, läuft er zu dem Wagen und setzt sich hinein. Da sitzt er. Nichts passiert. Wie soll er auch wissen, dass das Ding nicht ohne Kanter abfliegen oder wenigstens losfahren wird? Er ist noch nicht so lange auf Tero.

>>Das ist Herr Peddlmex! Er hat geholfen. Ich habe ihm jeden Abend mein Brot gegeben. Er sagt, er ist ein Hund. Und er kommt gar nicht von hier << Seli hüpft von einem Bein auf das andere. Dann legt sie ihre Arme um Herrn Peddlmex und weint.