Aushilfe gesucht

Die Idee

„Ich kann einfach nicht mehr. Ich backe, putze, bediene….“ Delfa sitzt mitten in ihrem Café an einem der Tische. Die Gäste sind schon alle nach Hause gegangen. Es ist fast alles aufgeräumt. Farin ist noch geblieben und hilft seit zwei Stunden tatkräftig mit. Nun wird auch er langsam müde.

„Ich muss noch durchwischen.“ Delfa steht wieder auf, fährt sich übers Gesicht und will den Eimer und das Wischtuch holen.

„Hilfe möchtest du dir keine holen?“ Farin steht mitten im Raum und sieht sie nachdenklich an. Um gleich abwehrend die Hände zu heben. „Nein, nein. Nicht ich.“

„Ja, das sagen sie alle.“ Delfa wendet sich um und holt die Putzsachen.

„Delfa, das Café ist dein Traum und dein Leben. Ich habe mein Leben schon. Aber ich weiß, dass so mancher hier in Neuditteringen gegen einen Nebenverdienst nichts einzuwenden hätte.“

Und so hängt am nächsten Morgen ein Schild an der Eingangstür zum Café am Rande des dunklen Waldes.

Aushilfe gesucht steht da. Spülen, Backen, Putzen und bedienen.

Die Bewerber

Um neun Uhr morgens macht das Café auf. Um fünf Minuten nach neun Uhr stehen zwei junge Männer in Delfas Café. Ein schmächtiger junger Mann mit dem typischen „Was-kostet-die-Welt-Blick“ und ein… Oktopus.

Beide mustern sich kurz. Eigentlich ist man sich nicht unsympathisch. Aber, was will denn der andere Kerl heute morgen hier?

Lumer und Okey die beiden Bewerber um den Job im Cafe

„Guten Morgen, werter Herr. Sie möchten sicher einen guten Kaffee und ein Stückchen Kuchen?“

Der schmächtige junge Mann zieht einen Stuhl heran und versucht den Oktopus auf diesen zu platzieren.

„Auch Ihnen einen guten Morgen, mein Herr.“ Der Oktopus antwortet mit professionell freundlicher Stimme. „Ich finde den besten Platz für Sie. Lieber am Fenster? Oder vielleicht nicht ganz so nah? Die Morgensonne könnte Sie stören.“

Er zieht mit drei seiner Arme auch gleich drei Stühle heran.

Das Einstellungsgespräch

Unbemerkt ist Delfa aus der Küche gekommen und beobachtet die beiden fasziniert. „Na, an Höflichkeiten wird es hier ja nie mehr fehlen. Seid ihr beide wegen des Jobs hier?“

Die „Herren“ fahren ein wenig erschrocken zu ihr herum.

„Ihr dürft euch gerne vorstellen und dann würde ich noch gerne wissen, ob ihr schon einmal gebacken habt? Und könnt ihr Kaffee kochen? Tee natürlich auch? Und wer weiß, was ein Putzeimer ist?“

Lumer stellt sich schnell vor sie hin. „Also, ich bin Lumer Kadepiedl. Ich habe gerade mein Zauberstudium fertig gemacht, und was ich nicht kann, kann ich bestimmt zaubern.“ Siegessicher sieht er Delfa an.

„Das hört sich ja gut an. Dann zaubere mir doch bitte einmal ein Rudpuddlbeerentörtchen.“

Etwas verunsichert überlegt Lumer und murmelt dann leise vor sich hin. Es dauert etwas, dann steht vor Delfa ein Stück Pizza. Zur Entlastung von Lumer muss man sagen, dass eine Rudpuddlbeere darauf liegt.

Delfa probiert das „Törtchen“, doch es ist beim besten Willen eine Pizza. Pizza hatte sie bislang noch nicht auf ihrer Karte. „Zufällig weiß ich, dass man beim Zaubern sehr genau wissen muss, was man tut. Du hattest ja nicht einmal das Rezept. Aber es scheint, dass du eines für Pizza hast, oder?“

Sie wendet sich dem Oktopus zu. „Und du? Wer bist denn du?“

„Mein Name ist Okey Posi. Ich komme aus dem Meer des Vertrauens. Aber ich singe so gern, und ich mache hier eine Gesangskarriere. Ich bin sehr schnell und kann immer mit mindestens sechs Armen arbeiten.“

Dabei greift er an Delfa vorbei und nimmt ein paar Tassen und Teller aus dem Regal. Er stolpert und Tassen und Teller fallen klirrend zu Boden.

Das Geschirr fällt, das Törtchen wurde eine Pizza

Da stehen nun die zwei Konkurrenten vor Pizza und Scherben und sehen sich an.

„Leute, seid ihr sicher, dass ein Job in meinem Café etwas für euch ist?“ Delfa steht auf und will Schaufel und Besen holen.

Aus Konkurrenten werden Kollegen

Doch da erheben sich die Scherben in die Luft und fügen sich wieder zu Tassen und Tellern zusammen. Und Okey fängt sie und stellt alles wieder ins Regal.

„Zusammen könnten wir das bestimmt“, sagt Okey. „Zusammen wuppen wir das Café“, stimmt Lumer zu.

Es klirrt noch öfter an diesem Tag. Und die Törtchen haben manchmal noch einen eigenartigen Nachgeschmack. Irgendwie nach Paprika und…. Käse.

Doch sie schlagen sich wacker. Von „wuppen“ kann zwar noch nicht die Rede sein, aber es läuft.

So gelacht hat Delfa schon lange nicht mehr.

Zufällig war auch Paul Peter Wrappich zu Gast an diesem Probearbeitstag. Er hat sich noch Stunden später gefragt, warum ihm der leise Pizzageschmack in den Rudpuddlbeerentörtchen nie aufgefallen war. Morgen will er wieder kommen und das überprüfen. Und morgen ist auch der erste Arbeitstag von Lumer und Okey.

Schild mit - Aushilfe gefunden