Das Innere des Bastelschrankes

>>Weißt Du<<, Farin sitzt auf meiner Schulter und knabbert an seinem Brötchen. >>Heute morgen war ich schnell im Schrank und habe einen völlig neuen Weg entdeckt. <<

Ich sehe ihn erstaunt an. >>Ich war nicht am Bastelschrank. Ich habe Karten geschnitten<<, sage ich und beiße in meinen Apfel.

>>Ich glaube auch nicht, dass Du einen Weg gemacht hast. Ich glaube, der Schrank hat ein Eigenleben. Er ist sozusagen lebendig>>, er hebt seinen kleinen Zeigefinger.

Ich drehe mich nachdenklich zum Schrank. Es sieht alles aus wie immer. >>Hast du denn etwas besonderes entdeckt?<<, frage ich.

>>Aber hallo<<, lacht Farin. >>Wusstest Du, dass, wenn man ziemlich weit durch den Schrank geht, man auf ein großes Meer stößt?<<. Das Meer des Vertrauens, so heißt es.

Und er erzählt weiter, dass er eine ganze Weile geschwommen und getaucht ist. Und dass er da Iris Wellenreiter kennengelernt hat. Und das Iris im Moment in den Kulissen unseres Theaters sitzt und mit Luftblasen jongliert. >>Sie würde unheimlich gerne mit uns reisen<<, sagt Farin.

>>Naürlich<<, sage ich. Und mache mir insgeheim Sorgen um meinen Bastelschrank. Was, wenn das Meer undicht wird und wir plötzlich einen Wasserschaden in unserem Haus haben?

>>Das ist doch das Meer des Vertrauens<<, sagt Farin. Da bin ich beruhigt.

Eine Meerjungfrau