Teil 2
Die Wirtsstube im Gasthaus zum wandelnden Nilpferd ist mit einer Menge aufgeregter Menschen gefüllt.

Gestern hatte man sich hier getroffen, um zu feiern. Man hatte gegessen, getrunken und auf die vielen Erfindungen des Professor Doktor Kropp angestoßen. Heimlich hatte man über die ein oder andere misslungene Erfindung gelacht.
Aber alles in allem war es ein gelungener Abend gewesen.
Auch die Nacht war so, wie viele Nächte zuvor. Man hatte geschlafen und sich erholt.
Der nächste Morgen
Das Erwachen am Morgen war für alle Festteilnehmer ein gleichermaßen einschneidendes Erlebnis.
Alle, inklusive des Professors und seines Kollegen Walter Nagelstift, hatten Zähne. Nun ist es immer besser Zähne zu haben, als keine Zähne zu haben. Aber diese Eckzähne waren wirklich groß und sie störten. Zum Beispiel dabei, den Mund richtig zuzumachen.
„Herr Professor Doktor Kropp, was haben Sie uns gestern angetan?“ Wilmas Stimme tönt laut durch den Raum. Sie hält ein Taschentuch in der Hand, denn mit Vampirzähnen sabbert man. Das konnten die 29 Festgäste nur bestätigen. Weiß der Himmel, ob richtige Vampire sabbern.
Erklärungsversuche
Professor Doktor Kropp steht sehr blass an der Theke und versucht auf die erzürnte Menge einzureden.
„Meine Damen und Herren. Sie wissen, dass ich mir solche Scherze niemals mit ihnen erlauben würde.“
Beim Wort “Scherze“ hob Walter Nagelstift plötzlich den Kopf. Er beugt sich vor und flüstert dem Professor etwas ins Ohr. Dann läuft er geschwind aus der Wirtsstube.
„Also gut. Dann lag es wohl am Essen.“ rief eine Stimme. Und aus allen Ecken des Raumes kommt Zustimmung.
„Das kann gar nicht sein.“ Der Gruberwirt steht mitten im Raum und schüttelt heftig den Kopf.
„Genau. Wir kochen immer alles frisch.“ Marianne, seine Frau steht blass und bezahnt neben ihrem Mann.
Farin klopft ihr beruhigend auf die Schulter. Sie tut ihm einfach leid. Heute Morgen hatte er noch versucht, die neuen Zähne zum Nüsse knacken zu verwenden. Nun hat er Kopfweh.
Delfa meldet sich ebenfalls zu Wort. „Bevor jemand fragt, nein, in den Rudpuddeltörtchen ist keine geheime Zutat, die Vampirzähne wachsen lässt.“
Treuma, Fino und Raffa sind auch gekommen. So lustig wie gestern waren sie heute nicht mehr.
Natürlich erzählten sie von den Vampirzähnen der Wirtsleute und die beiden wurden von allen Seiten gefragt, warum sie gestern nicht schon etwas hatten verlauten lassen.
„Was hätten wir denn sagen sollen? Wir wussten doch nicht woher die Dinger gekommen sind.“ Paul Anton wischt sich den Schweiß von der Stirn.
„Eine ansteckende Krankheit, die Pest, eine Epidemie.“ Treuma flüstert und tritt hastig ein paar Schritte zurück. Und dabei Randal auf den Fuß.
„Jetzt krieg dich wieder ein. Für Abstand ist es jetzt ein wenig spät.“ Randal hält sie väterlich an den Schultern fest.
Linus
Währenddessen blickt Marianne suchend um sich. Sie kann Linus nirgends entdecken.
„Linus!!!“ Alle zucken zusammen, denn Mariannes Stimme hat unter den Zähnen nicht gelitten.
Die Küchentür geht auf und Linus kommt in den Schankraum. Er sieht nicht ganz so zuversichtlich wie sonst immer.
„Hey“, Wilma geht auf ihn zu. „Du hast gar keine Vampirzähne.“
„Ja. Äh… Nein.“ Linus tritt von einem Bein aufs andere.
„Die Suppe“. Marianne stößt ihren Mann an. „Es war die Suppe. Er hat etwas in die Suppe getan“.
„Ihr wolltet doch, dass ich eine wirklich gute Suppe koche. Und da habe ich, weil ich doch im Institut nochmal nachfragen sollte… Und da lag diese Dose. Schmackhaft. Das stand da drauf. Und die habe ich dann in die Suppe gegeben.“ Linus hat den Kopf gesenkt. Eine Träne rinnt seine Backe hinunter. Er will doch einfach nur nicht weggeschickt werden. Und was soll man denn dann machen, wenn man nicht kochen kann?

Die Wirtshaustür geht auf, Walter Nagelstift kommt herein und stellt sich direkt vor Linus.
„Kannst du mir erklären, wo mein Faschingsscherzartikel hingekommen ist? Schmackhaft mit Vampirzähnen? Der hält genau drei Tage. Ich habe es ausprobiert. Vielleicht hättest du den gesamten Aufkleber lesen sollen? Warum hast du denn die Suppe nicht wenigstens einmal probiert?“
„Ich mag keine Suppe.“
