Delfa, Figur in meiner Hand

„Beim besten Willen.“ Delfa hatte sich gerade gebückt und sich ein wenig schwergetan, wieder hochzukommen. „Also Ballerina werde ich wohl keine mehr.“

Sie setzte sich auf meine Hand und wir mussten beide grinsen. Wir sind schließlich im selben Alter. Ich bin sogar schon Oma. Da gibt es Dinge, die man sich abschminken muss. Ballerina zum Beispiel. Oder Prinzessin in unserem schwebenden Theater.

Delfa war an diesem Morgen etwas missmutig aus dem Bastelschrank gekommen. Ich saß gerade an meinem Schreibtisch und versuchte, eine besonders hübsche Karte mit Schmucksteinen zu bekleben.

„Ich bin jetzt keine Prinzessin mehr“, sagte sie und ließ die Schultern hängen. „Ich bin jetzt Königin Mutter.“

Ich legte einen Stein zur Seite und betrachtete sie. Eigentlich hatte ich Delfa noch nie als Prinzessin gesehen. Als kluge Frau. Als Königin. Als Spielmacherin. Aber als Prinzessin?

„Wann warst du denn das letzte Mal Prinzessin?“

Delfa funkelte mich an. „Das ist die falsche Frage!“

Und natürlich hatte ich sofort ein schlechtes Gewissen. Im Falsche-Fragen-Stellen bin ich schließlich eine Koryphäe.

Doch dann musste sie selbst lachen.

Eigentlich wussten wir beide, dass manches seine Zeit hat. Ballerina zum Beispiel. Oder Prinzessin. Manche Rollen begleiten uns nur ein Stück unseres Weges.

Aber das bedeutet nicht, dass danach nichts mehr kommt.

Vielleicht werden wir keine Prinzessinnen mehr. Dafür sind wir heute etwas anderes. Erfahrener. Mutiger. Gelassener. Und manchmal sogar ein bisschen weiser.

Unsere Zeit war nicht früher.

Unsere Zeit ist heute.

Und deine auch.