
Eine kleine Schnecke aus Papier sitzt vor mir auf meinem Schreibtisch. Wir unterhalten uns, so wie ich es mit allen Darstellern tue.
„Hallo. Ich bin Rotz. Rotz Hausen. Und bevor du lachst will ich dir sagen, dass mein Vater Willibald Hausen einen sehr seltsamen Humor hatte. Er fand die Idee genial, laut »Rotz!« zu rufen und dann würde ich angerannt … angelaufen … ähm … angeschleimt kommen. Und ich habe wirklich schon jeden Witz über meinen Namen gehört. Wirklich. Und ich werde nun keinen davon wiederholen.
Ich wohne im magischen Bastelschrank. Aber das wusstest du ja. Ich bin der Einzige, der im großen Uhrwerk unten in der linken hinteren Ecke des Schrankes wohnt. Weiß der Himmel, was du einmal mit diesem Uhrwerk wolltest. Ich nehme an, du wolltest eine Uhr bauen. Vielleicht hattest du ein Zeitproblem“?
– Ich nicke. – Mein altes Problem. Die Zeit.
„Nun liegt es da. Ein Glück für mich. Denn ich wohne gerne hier. Leise drehen sich die Zahnräder. Manchmal klickt es. Wenn ich gemütlich an meinem Blatt knabbere, summt es zustimmend. Kurz: Die Zeit und ich, wir kommen gut miteinander aus
Heute spiele ich im schwebenden Theater einen Zeitreisenden. Und ich soll ein paar tröstliche Worte über die Zeit sagen. Zum Beispiel, wie man sie sparen kann. Oder festhalten. Und so, wie ich dich verstanden habe, würdest du auch gerne wissen, wo man seine verlorene Zeit wiederfinden kann.“
Ich nicke wieder. Das war meine Hoffnung. Ich meine, endlich habe ich einen richtigen Fachmann gefunden.
Rotz lächelt. Und was er sagt, ist bestimmt nicht die Antwort, die ich hören wollte. Aber es ist die einzige Antwort, die ich bekommen werde. Und eigentlich kann ich etwas damit anfangen. Ob ihr etwas damit anfangen könnt, müsst ihr selbst entscheiden.
„Zeit ist nicht mein Gegner. Sie ist nur der Weg, auf dem ich unterwegs bin“, sagt Rotz.
