Zuchtstation neuklonische Hauswurzen

Eine Geschichte aus dem magischen Bastelschrank

Ein Frühstück mit Biss

„Henriette! Henrie!“ Markus läuft am langen Glashaus vorbei. Die drei Pavillons sind gefüllt mit Pflanzen aller Art und die Beete draußen stehen in voller Blüte. Es riecht nach Jasmin und da er vorhin gegossen hat, nach feuchter Erde. Doch zum Genießen kommt er gar nicht. Eine Hauswurz hat sich in seinen Allerwertesten verbissen und seine Frau muss ihr sagen, dass sie gefälligst wieder loslassen muss. Henriette brauchte den Hauswurzen nur ein einziges Wort zuzurufen, und sie gehorchten. Markus dagegen konnte sich den Mund fusselig reden. Die Wurzen machten, was sie wollten.

Auf der Treppe flucht Markus leise vor sich hin. Jede einzelne Stufe ist schmerzhaft.

Als er in die Küche kommt, macht Henriette gerade das Frühstück. Mit einem Blick sieht sie seine Not. „Aus!“. Die neuklonische Hauswurz lässt sofort los. Markus dreht sich geschickt und fängt sie auf.

„Steck dir keine Bananen in die Taschen wenn du zu ihnen gehst, weder hinten noch in die Seitentaschen. Und kehre ihnen nicht den Rücken zu. Wie oft soll ich dir das noch sagen?“

„Hab ich nicht“

Markus will ins kleine Bad nebenan um sich die Hände zu waschen. Doch die Hauswurz wackelt energisch in ihrem Topf. 

„Oh, hattest du noch nichts?“ Henriette sieht ihren Mann streng an.

„Wie denn, sie hatte ihren Mund ja voll.“ Markus zieht eine Banane aus seiner Hosentasche. Er hält sie Isolde hin, die ihr Mäulchen aufmacht und die Frucht mit Schale verschluckt. 

„Hast du nicht?“ Henriette lächelt freundlich.

Wer einer Hauswurz zu nahe kommt …

In diesem Augenblick klopft es. Sie öffnet die Tür und steht Herrn Nagelstift gegenüber. 

„Herr Nagelstift. Sie sind fast ein wenig früh. Wir hatten doch neun Uhr ausgemacht. Aber das macht nichts. Trinken sie noch eine Tasse Kaffee mit uns?“

Herr Nagelstift tritt zögernd ein. „Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Ich muss nur bald ins Institut. Ich will ja auch nur wissen, ob so eine kleine Wachwurz etwas für mich ist.“

„Jetzt kommen sie erst einmal herein und setzen sich. Das wird sich schon alles finden.“

Henriette rührt noch einmal den Haferbrei um. Als sie sich umdreht, hat Herr Nagelstift sich auf den Stuhl gesetzt und beugt sich gerade zu Isolde.

„Herr Nagelstift. Nicht!“  

Isolde beißt Walter

Während Herr Nagelstift noch so Dinge sagt wie: „Na du? Süße?“ beißt Isolde ihm in die Nase.

„Aua!!! Hilfe!!“ Herr Nagelstift ist aufgesprungen und springt durch die Küche. Mit Isolde, die an seiner Nase hängt und nicht auslässt. 

Markus kommt aus dem Bad und steht schreckensbleich in der Küchentür. „Isolde… Sitz! Platz! Aus! Lass bitte los.“

 Henriette brüllt „Aus“ und fängt genauso gekonnt wie ihr Mann vorhin den Topf mit Isolde auf. 

Herr Nagelstift setzt sich wieder an den Küchentisch und erholt sich von dem Schrecken.

Henriette entschuldigt sich bei Walter für Isolde

„Sie dürfen sich doch nicht einfach zu einer fremden Hauswurz hinunter beugen. Die beißen. Isolde hat das bestimmt nicht so gemeint. Und die können ja auch gar nicht sehr fest beißen…“ 

Markus  möchte seine Frau gerade korrigieren, sieht aber ihren Blick. 

Die sanften Blätterhändchen

Walter blickt auf die kleine neuklonische Hauswurz hinunter. Isolde schaut mit vorgeschobener Unterlippe zurück. Dann hebt sie langsam ihre beiden kleinen Blätterhändchen. Einen Moment lang scheint sie zu überlegen. Schließlich streichelt sie ihm ganz vorsichtig über die geschundene Nase.

Isolde berührt Walters Nase ganz vorsichtig

Alle sind überrascht. Vor allem Markus. Seit Jahren füttert er die neuklonischen Hauswurze. Es mussten schon seine Daumen, die Nase oder der Hintern dran glauben. Er mag sie, weil Henriette sie mag. Aber noch nie hat ihn eine der Wurzen getröstet.

Ein neues Zuhause

Auch Henriette schluckt. Sie hat schon so viele von ihnen gezüchtet, verkauft, ihnen alles Gute gewünscht. Ihre Pflanzen respektieren sie. Aber getröstet hat sie noch nie eine Wurz. „Walter, ich sag jetzt einfach Walter, ja? Ich, wir würden dir Isolde gerne schenken. Ich glaube, ihr gehört zusammen. Hast du Bananen Zuhause?