Simsalabim – Eine weitere Geschichte aus dem magischen Bastelschrank
„Was hast du denn da noch? Schokolade?“ La lutscht gerade ein Himbeerbonbon. Es ist so klebrig, dass sie ihren Mund kaum aufbringt. Wenn man so klein ist wie die Kreuzquerchen, reicht so ein Bonbon für die ganze Familie. Sa hat einen bis oben hin gefüllten Sack mitgebracht. Darin sind noch Stücke von Rudpuddlbeerentörtchen, Schokolade, eine ganze Weintraube und zwei Bratwurststücke.
„Kinder, wir sind bald da. Was nicht heißt, dass man mir nicht noch ein schönes Stück Törtchen herausreichen kann.“ Kurt Wuchholzki hat sich umgedreht und blickt in den Wagen des Marionettentheaters.
„Himmel, Vater, schau auf die Straße. Du hättest fast Herrn Oblonski umgefahren. Außerdem essen wir gleich, wenn wir zu Hause sind. Ich habe doch den Eintopf gemacht, bevor wir losgefahren sind.“
Allgemeines Geschnaube ist zu hören.
„Ach was. Gib mir trotzdem noch ein Stück“, murmelt der Vater nach hinten und bekommt auch prompt etwas von Sa in seinen Mund geschoben. Das bemerkt Rosalie, die Mama, vorsichtshalber nicht. Sie grinst. Er auch. Sie wundert sich, dass Sim und Bim so gar nicht an den Süßigkeiten interessiert sind. Doch die beiden flüstern nur miteinander.
„Du hättest sie nicht gleich wieder holen sollen. Jetzt ist sie böse und will das nächste Mal nicht mehr auftreten.“
„Was hätte ich denn machen sollen? Unser Vater glaubt ja sowieso, dass ich immer an allem Schuld bin.“
„Dann erkläre ihr das doch, statt sie einfach zu fangen und wieder ins Theater zu bringen.“
„Ach ja? Marie glaubt mir nicht, dass ich ihr nur helfen möchte und Vater glaubt mir nicht, dass sie lebendig ist. Was meinst du, soll ich machen?“
Die Jungs sehen zum Fenster hinaus. Nur noch eine Ecke, dann sind sie endlich zu Hause. Ihre Mutter dreht sich noch einmal um und teilt alle zum Helfen ein. Wagen ausräumen und dann bitte schnell zum Essen kommen.
„Eintopf“, hört sie jemanden grummeln.
„Mit Fleischbällchen? Habt ihr das heute Morgen nicht gerochen?“
Das Hackfleisch aus dem Krachkantikus ist praktisch ein Stimmungsaufheller. Der Wagen fährt in die große Garage und alle springen heraus.

Sim und Bim nehmen sogar die Kiste mit den ersten Marionetten ganz allein. Sie schleppen sie die Treppe hinunter und stellen sie mit Schwung an ihren Platz.
„Aua! Passt doch auf, ihr Tölpel!“, schallt es da auch schon aus der Kiste.
„Macht sofort den Deckel auf. Ich kriege keine Luft mehr.“
„Aber nur, wenn du versprichst, nicht davonzulaufen. Ich habe keine Lust mehr auf Ärger.“ Sim steht abwartend vor der Kiste.
„Himmel, na gut. Aber lange mache ich diesen Zirkus nicht mehr mit.“
Die Jungs heben den Deckel hoch. Marie sitzt in der Kiste und sieht sie zornig an. Sie ist ein wenig zerzaust und verweint.
„Ich will keine Marionette mehr sein. Du musst Zegeros finden. Dem ist es egal, was er zaubert, aber mir nicht.“
Die Brüder holen noch die restlichen Kisten aus dem Wagen und versprechen, später noch einmal vorbeizuschauen. „Sim! Bim! Was ist denn jetzt? Kommt ihr?“ Sa steht an der Werkstatttür und sieht zur Kiste mit den Marionetten. „Was macht ihr denn da?“
Die Jungs drücken den Deckel wieder herunter.
„Nichts. Wir haben nur nachgesehen, ob alles in Ordnung ist. Sag oben, dass wir gleich kommen.“
„Irgendwas ist doch mit Marie, oder? Wenn ihr mir nichts sagt, hole ich Mama.“
„Du holst keinen, verstanden? Und wenn du jetzt nicht gleich weg bist, lasse ich dich von Zegeros persönlich verzaubern.“
Plötzlich hören sie ein glockenhelles Lachen. Es kommt aus der Kiste mit den Marionetten. Also nimmt Sim seine Schwester bei der Hand und zieht sie wieder in die Werkstatt. Er schließt die Tür.
„Bitte, Marie, sei nicht so laut. Jetzt müssen wir Sa auch noch einweihen.“

Während er das sagt, öffnet er die Truhe wieder. Heraus springt eine hübsche kleine … Ähm. Nicht Marionette. So viel scheint sicher.
„Ich muss nichts verstehen. Rein gar nichts. Und du drohst nicht auch noch deiner Schwester mit diesem… Diesem… Zauberer. Ich will entweder entzaubert werden oder frei sein. Und ich warte nicht mehr lange, das sage ich euch!“
Mit offenem Mund beugt sich Sa zu Marie.
„Hallo. Ich bin Sa. Du hast La heute also wirklich zugeblinzelt? Sie erzählt das übrigens gerade Mama oben in der Küche.“

Sim stöhnt. „Bitte, Marie. Warte noch eine Weile. Ich werde Zegeros finden und dann wird er dir helfen. Ich hätte ja nie gedacht, dass er solche Zauber drauf hat.“
„Na, solche Zauber hat er auch nicht drauf, wie du sehen kannst. Jetzt geht hoch. Und bringt mir noch etwas von der Schokolade mit und einen Becher Wasser. Auch Marionetten wie ich haben Befindlichkeiten. Wisst ihr?“
Beim Hochgehen zur Wohnung flüstern die Buben weiter miteinander.
„Hast du denn schon etwas herausgefunden? Wo ist dein großer Zauberer denn gerade? Hat er immer noch nicht geantwortet?“ Bim läuft die Treppe neben Sim her und keucht.
„Nichts. Er antwortet einfach nicht. Ich… will bald nach Neuditteringen zu Lumer. Der versteht etwas von Zauberei und würde bestimmt auch helfen. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass er kein Fan vom großen Lackienen ist.“ Sim ist stehen geblieben.
„Oh, ich bin auch kein Fan mehr von dem. Marie war unsere schönste Marionette. Wertvoll. Handgemacht. Jetzt ist sie… Wir wissen ja nicht einmal, was sie ist. Und wie lange sie leben wird. Und was wir jetzt bloß machen sollen.“ Bim ist auch stehen geblieben und hat Tränen in den Augen.
Sa schließt ihn kurz in die Arme. „Das wird schon. Wirst sehen.“
Da geht die Wohnungstür auf und ihre Mutter sieht auf sie hinunter. „Alles in Ordnung? Oder habt ihr wieder etwas angestellt?“