Friedel Tupfenhild

„Du weißt, dass ich dir keine Wegbeschreibung geben kann? Hier ändert sich alles. Täglich sowieso, stündlich meistens und wenn ich mich umdrehe…..“, Farin sieht mich an und dann spielt er kurz auf seiner Flöte. Wir hören dem Lied nach.

„Wir können nicht berichten, wo genau etwas ist. Erzähl mir lieber, was du heute erlebt hast.“

„Die Feenwiesen stehen voller Blüten in leuchtenden Farben. Zuerst hielt ich ihn ebenfalls für eine Blüte. Doch er grüßte mich mit einem Augenzwinkern und lüpfte dabei sogar seinen Hut. Da habe ich meine Mütze gelüpft.“

Nachdem ich mich vorgestellt hatte, nannte er seinen. Friedel Tupfenhild.

„Oh, was für ein hübscher Name. Friedel Tupfenschild“, rief ich begeistert.

Friedel und Farin auf der Bank

„Tupfenhild. Aus dem Hause der Tupfenhilds. Die Familie mit den schönsten und buntesten Tupfen auf ihren Flügeldecken.“

Er sah meinen Blick. „Ich habe wenig Familienähnlichkeit.“

„Ähmmmm“, beeilte ich mich zu sagen.

„Die Tupfen weisen darauf hin, dass wir Glückskäfer sind. Und ohne Tupfen…“.

„Glück kann man bringen?“, das war mir neu.

„Nein. Mit Glück ist das so eine Sache. Die, die es haben, wissen es oft gar nicht. Die, die es suchen, erkennen es meist nicht. Vielleicht muss man gar nicht nach dem Glück suchen. Vielleicht muss man nur aufhören, immer woanders danach zu suchen.“

Wir schauen eine Weile über die Wiesen.

„Ist dir deine Familie böse, weil du anders bist?“, frage ich.

„Nein. Böse sind sie nicht. Enttäuscht, ja. Natürlich hätte mein Vater gewollt, dass ich die Tradition aufrecht erhalte.“ Friedel schaut auf seine Schuhe.

„Nun, das ist in meiner Familie nicht anders. Weltenwanderer passen so gar nicht in ihre Vorstellung vom Wichteln.“

„Und? Sind sie deswegen böse?“ Friedel sieht mich gespannt an.

„Böse? Nein. Enttäuscht, ja. Ich könnte jetzt den Satz mit deinem Vater wiederholen. Aber ich habe sie daran gewöhnt.“

„Wir sehen uns.“ Ich ziehe meine Mütze gerade.

„Ich würde gerne den Glückskäfer spielen.“, Friedel sieht fast verwegen aus. Dann sagt er: „Ohne Kostüm. So“, und er dreht sich einmal um sich selbst.

Friedel Tupfenhild

„Also ist es egal ob Punkte oder Blümchen?“ Wir grinsen.