Neues aus dem magischen Bastelschrank
Die vier saßen noch lange zusammen an diesem Abend. Viele Sätze begannen mit: „Weißt du noch?“ Sogar die Kartoffeln, die eigentlich keiner mehr sehen konnte, wurden immer weniger. Erzählen macht hungrig.
„Ich habe damals nichts falsch gemacht. Ich habe alles richtig gemacht!“ Lumer schnaubt, während die anderen drei, selbst Waldemar laut lachen.
„Und warum ist Waldemar dann grün? Oder hast du schon einmal einen grünen Dackel gesehen?“ Xander lacht immer noch und Lumer ärgert sich.
„Wir wollten damals einen Drachen aus ihm machen. Erinnerst du dich, Peter? Ohne Hilfe und auch nur, weil wir ein wenig Geld verdienen mussten. Er wäre für ein paar Tage zum Theater gegangen. Als Drache. Und du warst doch nur ganz kurz ein Drache, Waldemar. Und wir waren noch lange hungrig in Alanatur.“
Eine folgenschwere Idee
Peter überlegt und wirft dann ein: „Wir könnten es ja nochmals versuchen. Und wenn wir ihn dann zurückverwandeln, verliert er bestimmt auch das Grün. Wir wissen heute ja, was wir tun.“
Waldemar sieht gar nicht mehr freundlich und friedlich aus. „Im Leben nicht. Ich bin jetzt seit drei Jahren grün. Die Leute kennen mich nicht anders. Und ein nicht zurückverwandelter, verkorkster Drache ist sicher keine Werbung.“
Lumer lacht. „Stellt euch das Gesicht der Bürgermeisterin vor. Keine Käsereibe, aber verkohlte Haare. Nur weil ein Drache die Tür aufmacht und niesen muss.“
„Ja. Und das Gesicht des Bürgermeisters erst. Wer ist das? Das ist nicht meine Frau. Die war blond“, lacht auch Xander.
„Oh und dein Gesicht erst, wenn ich dich dankbar anhauche!“ Waldemar ist aufgestanden und geht zur Tür. Er wünscht kühl eine gute Nacht und geht in sein Bett.
Ran ans Werk
Als er weg ist, sehen sich die drei an. Bestimmt war er nicht glücklich, so grün. Bestimmt wäre er gern wieder ein ganz normaler Rauhaardackel. Was sollte er auch anderes wollen? Wahrscheinlich würde er morgen früh aufwachen und befreit lachen. Sie waren ihm das doch schuldig. Sie liebten ihn doch über alles.
„Aber ich überwache das Ganze. Bringt die Bücher.“ Majestätisch sitzt Xander am Tisch.

Lumer kommt mit dem Buch „Drachenverwandlungen aller Art“ zurück und schlägt die entsprechende Seite auf.
Xander fährt mit der Pfote über die Zeilen. „Du hast Für-immer-Kraut verwendet?“
„Hatte ich gar nicht.“
„Was hast du stattdessen genommen?“
„Kürbiskerne.“
„Ja, Kürbiskerne. Das weiß ich deswegen noch so genau, weil Peter sie am Morgen gesucht hat. Wir hatten nichts mehr zu essen und Hunger.“
„Am Morgen gab es einen lauten Schrei, Waldemar stand in der Küche und hat Feuer gespien. Wir haben gelöscht und dann hat es plopp gemacht.“ Lumer ist blass geworden, als er sich daran erinnert.
Peter steuert kleinlaut bei, dass Waldemar sich mit diesem „Plopp“ wieder zurückverwandelt hat. In einen nun grünen Dackel.
„Er war uns tagelang böse. Hat wenig gesprochen und ist auch nicht aus dem Haus gegangen.“
Sie hatten noch so einiges versucht, aber Waldemar blieb grün und irgendwann… „Er hat es wohl akzeptiert.“ Peters Nase ist verdächtig rot.
„Es ist ja auch nicht so, dass er nicht weiß, wie gut wir es gemeint haben.“ Lumer hat auch eine rote Nase.
Jetzt waren sie schließlich zu dritt. Und Xander war immerhin Professor Xander von Krant, und Peter und Lumer waren zwei examinierte Zauberer. Diesmal würde es funktionieren.
Der Kessel wurde auf den Herd gestellt, alle Zutaten waren zur Hand. Drei Zauberer standen um den Kessel herum. Es wurde gesummt, geschüttelt und nicht gerührt. Der Zauberspruch war ziemlich lang für einen vorübergehenden Zauber, wie Xander missmutig anmerkte. Der Kessel begann in allen Farben zu leuchten. Es machte „plopp“ und die drei sprangen erschrocken zurück. Alle waren mit der Zauberflüssigkeit vollgespritzt. Aber glücklicherweise war noch etwas im Kessel geblieben.
„Und was nun?“ Peter und Lumer sahen Xander erwartungsvoll an. „Nun geht einer von euch leise in Waldemars Zimmer, spritzt ein wenig aus der Kelle auf ihn und dann gehen wir ins Bett. Und morgen früh sind wir endlich wieder glücklich.“ Zufrieden lächelnd schaut Xander in die Runde.
Und so machen sie es. Waldemar schläft. Und die drei Zauberer auch gleich.
Überraschung

„AAHH!! Was ist das? Himmel hilf! Wie sehe ich aus?“ Das Häuschen erwacht nicht langsam nach diesem Schrei. Sondern drei Bewohner rennen aus ihren Zimmern ins Bad, wo ein sehr bunter Kater völlig fassungslos vor dem Spiegel steht.
Im Spiegel stehen nun vier bunte Bewohner: der Kater, ein farbenfroher Dackel mit Brille und erschrockenem Gesicht und zwei junge Männer mit langen, regenbogenfarbigen Haaren.

„So kann ich nicht ins Café. Die lachen mich ja aus.“ Lumer versucht, die Haare zu einem Dutt zusammenzubinden.
„Ich rasiere mir die ab.“ Peter hat schon einen Plan.
Und Waldemar. Der nicht mehr grüne Waldemar. Lacht.