Die Töpferei von Lana Feinhand

„Aua!“ Aus der Werkstatt von Lana Feinhand kam ein lauter Schrei. Farin, der gerade an der Töpferei vorbei geht, läuft schnell zur Tür.

„Lana, was ist passiert? Wo bist du denn?“ Zwischen all den getöpferten Krügen, Kannen und Vasen kann er sie nicht sehen.

„Hier, in der Küche“, hörte er eine gedämpfte Stimme. Dort steht Lana. Sie hat ein Tuch um den linken Daumen gelegt und kämpft mit den Tränen.

„Ich habe mir in den Daumen geschnitten.“ Sie drückt ein Geschirrtuch auf die Hand. Finster sieht sie auf den Apfel. Der liegt völlig unschuldig auf dem Boden. Daneben allerdings das nicht unschuldige Messer.

Farin tritt näher. „Lass mal sehen“.

Es sieht nicht gut aus. Als er das Tuch wegnimmt, fängt der Daumen sofort wieder an zu bluten. Er legt das Tuch wieder über den Daumen und sieht sich suchend um.

„Wo hast du denn dein Verbandszeug?“

„Was weiß ich? In der Werkstatt in der linken Schublade vom Holztisch müsste noch etwas sein. Wenigstens Pflaster. Wenn ich eine Hexe wäre, könnte ich sofort einen Lochzu-Zauber wirken.“

Mit Lochzu-Zaubern muss man vorsichtig sein. Du erinnerst dich an Ida.“

„Oh ja. Die Woche mit den Teekannen.“

„Genau.“

„Naja. Wir haben ja auch nur Pflaster. Haben wir denn Pflaster?“ Lana sieht in die Werkstatt.

Farin bringt Lana das größte Pflaster, das er finden konnte

„Natürlich haben wir Pflaster. Das machen wir jetzt drauf und dann sieht die Welt gleich ganz anders aus.“

Mit einem fröhlichen Lächeln und dem Pflaster kommt Farin wieder in die Küche. Als der Daumen verbunden ist, sieht die Welt tatsächlich anders aus. Geschlossener.

Zu viele Helfer in der Töpferwerkstatt

„Was mache ich nur? Ich muss heute das neue Teegeschirr für Trudi machen. Sie hat das letzte in der Menschenwelt gelassen. Das hat man nun davon, wenn man da raus geht.“

„Naja, sonst hättest du keine Aufträge. Ein Stück weit leben wir nun einmal von der Menschenwelt.“

Es klopft an der Tür. Farin läuft hin und öffnet. Da steht Paul, der eigentlich nur guten Tag sagen wollte. Mitgebracht hat er Randal und Markus. Die drei Männer treffen sich immer zum Kartenspielen im Café von Delfa.

Nun stehen sie zu fünft in der Küche. Alle bemitleiden Lana und bieten Hilfe an.

Paul macht einen Tee, wobei er aus Versehen die Teedose fallen lässt. Randal kommt mit einem Besen. Am Besen klebte noch feuchter Ton, und daran klebten nun die Teeblätter. Markus Erdengrün überlegt, ob er seiner Frau Bescheid sagen soll. Aber die ist gerade in ihrer Gärtnerei. Also erklärt er Randal, wo er noch fegen soll.

Es klopft wieder. Farin guckt heraus und da steht Lionel Fadenbrauch. Er wollte nur schnell nach seiner alten Freundin Lana sehen und kommt herein.

„Wenn ich nur wüsste, wie ich das Geschirr heute töpfern soll“, Lana seufzt.

„Ich mache das.“ Lionel steht mittlerweile in der Werkstatt und blickt siegessicher auf die Drehscheibe hinunter.

„Du bist Schneider?“ Farin lacht.

„Ja. Und Schneider sind bekannt für ihre Wandlungsfähigkeit.“

Der Schneider an der Drehscheibe

Lionel sitzt an der Töpferscheibe

„Na dann“, Lana gibt Lionel eine Schürze. Er zieht Blazer und Weste aus, hängt alles an ein Regal im Hintergrund und legt die Schürze an. Lana gibt ihm einen großen Tonklumpen.

So steht eine Gruppe hilfreicher Bewohner und eine hübsche Gans, die mittlerweile auch noch vorbei gekommen ist, um die Drehscheibe herum und sehen zu. Man merkt, dass Lionel nicht zum ersten Mal an dieser Scheibe sitzt. Und der Anfang sieht auch gut aus. Die Scheibe dreht sich, es entsteht eine runde Form die….. Plötzlich in alle Richtungen davon fliegt. Betroffen sind die Umstehenden und zwei halbfertige Vasen, die nicht mehr gebrannt werden müssen.

Der Ton fliegt in alle Richtungen

Als die Scheibe zum Stillstand kommt, klebt der Ton an Gesichtern, Schnäbeln und Dingen, an denen eigentlich kein Ton kleben sollte.

„Schluss!“ Lana steht zornig in ihrer Werkstatt und sieht all ihre Helfer streng an.

„Ihr macht mir mehr kaputt als dass ihr helft. So geht das nicht.“

In dem Moment geht die Werkstatttür schon wieder auf.

Trudi betritt die Werkstatt

„Lana? Hast du schon mit meinem Teegeschirr angefangen? Weil….. Es ist ja so…. Ich brauche nämlich stattdessen ein Kaffeegeschirr. Und da auch nur schöne, große Tassen. Weil…“, Trudi stockt und sieht erstaunt die vielen Besucher an.

„Gut, dass du’s erwähnst. Und nein, ich habe noch nicht angefangen.“ Lana hebt ihre lädierte Hand.

Trudi schiebt sie in die Küche. Es blitzt und….

„Danke für eure Hilfe. Ich kann jetzt selbst töpfern. Vielleicht wollt ihr ja jetzt alle gemeinsam ins Café und euch stärken?