Farin sitzt auf meiner Schulter und knabbert an seinem Brötchen.. „Heute Morgen war ich schnell im Schrank und habe einen völlig neuen Weg entdeckt.“
Ich verschlucke mich fast an meinem Apfel. „Ich war nicht am Bastelschrank. Ich habe Karten geschnitten“, sage ich und trinke vorsichtshalber einen Schluck Tee.
„Ich glaube auch nicht, dass Du einen Weg hineingegraben hast. Ich glaube, der Schrank ist lebendig“. Er hebt seinen kleinen Zeigefinger.
Beide gucken wir in meinen Bastelschrank. Von meiner Schulter sieht er auch nicht viel mehr als ich. Außerdem sieht alles aus wie immer, dasselbe Chaos von übereinander gestapelten Papieren, Stoffen, Kleber, Perlen und wahrscheinlich Dingen, die ich völlig vergessen habe. „Hast du denn etwas Besonderes entdeckt?“, frage ich.
„Aber hallo“, lacht Farin. „Ich bin wirklich weit gelaufen. Durch einen Wald und über viele Hügel und als ich gerade auf dem letzten Hügel war, liegt da ein Meer vor mir. Ich bin so schnell ich konnte den Hügel hinunter und an den Strand gelaufen“.
„Weißt du, wie warm der Sand dort ist? Und ohne Schuhe im Wasser ist es herrlich. Weit hinten fuhr ein Segelschiff. Wo fährt man in einem Bastelschrank nur hin? Und wie weit?“ Fragend sieht er mich an. Aber ich weiß es doch auch nicht. „Und ich soll dich von Iris grüßen. Sie ist die schönste Meerjungfrau, die ich je gesehen habe und sie ist Jongleurin. Außerdem hat sie mir den Namen des Meeres verraten. Das Meer des Vertrauens. Sie jongliert übrigens mit Luftblasen. Und bestimmt brauchen wir sie einmal im Theater. “
„Natürlich“, sage ich. Und dann mache ich mir insgeheim Sorgen um meinen Bastelschrank. Was, wenn das Meer undicht wird und wir plötzlich einen Wasserschaden in unserem Haus haben?
