Familie Wuchholzki – Eine Geschichte über Familie und Zusammenhalt
„Marie? Marie! Schläfst du noch? Wach auf, wir fahren heute nach Neuditteringen.“ Marie rührt sich nicht und Sa springt aus dem Bett und läuft zur Tür. „Mama! Papa! Irgendwas ist mit Marie. Kommt schnell!“ Ihre Stimme klingt schrill.

Aus allen Ecken des Hauses kommen Geräusche. Tailo, der kleine Hund der Wuchholzkis, bellt am Treppenabsatz wie verrückt. Im ganzen Haus schlagen Türen. Die Eltern kommen aus ihrem Schlafzimmer und laufen so schnell sie können zu Sas Zimmer. Dort findet sich die gesamte Familie wieder. La ist die letzte, die ankommt. Sie hat ihren Daumen im Mund und sieht sehr verschlafen aus.
Mama beugt sich über das kleine Bett von Marie und schüttelt sie vorsichtig. Mit einem Schrei fährt die plötzlich hoch und sieht erschrocken in lauter Gesichter, die sich über ihr Bett gebeugt haben.
„Was ist denn los? Brennt es?“
„Nein. Es ist fünf Uhr morgens und es brennt nicht. Gehen wir bitte alle noch einmal ins Bett. Tailo! Sitz! Platz! Still! Ich wecke alle um sieben und vorher will ich nichts mehr hören.“
Papa Wuchholzki zieht seine Frau mit sich, fängt dabei auch noch die Brüder und La ein und schiebt alle zur Tür hinaus. Sa dreht sich zu Marie um. Sie ist rot geworden und geht ohne ein Wort in ihr Bett.
Marie steht auf und hüpft von ihrem Bett zu Sa. Eine kleine Hand legt sich auf Sas Hand. „Ich habe auch Angst. Ein bisschen.“
Sie legt sich neben Sa und diese deckt sie behutsam mit ihrer Decke zu. „Ich… habe nur einen Schreck bekommen, weil du nicht aufgewacht bist. Ich hatte noch nie eine Freundin. La ist meine Schwester, aber du… Ich bin einfach froh, dass du da bist.“ Dann schlafen beide wieder ein.
Vormittags in Neuditteringen
„Weißt du denn die Adresse? Wir fahren jetzt schon eine ganze Weile durch die Stadt.“ Papa sieht seinen Sohn fragend an, während er versucht, ganz am Rand des Bürgersteigs zu fahren, damit niemand auf ihr kleines Marionettentheater tritt.
„Lumer hat gesagt, sie wohnen direkt an der Hauptstraße. Du weißt doch, wie groß diese Städte sind. Schaut mal! Seht ihr das Schild da vorn? Zauber aller Art. Zwei Zauberer zaubern für Sie. Das sind sie. Hoffentlich ist Lumer da.“

Es dauert noch ein paar Minuten, dann sind sie endlich vor dem Haus der jungen Zauberer angekommen. Sim springt aus dem Wagen und läuft zur Tür. Die Klingel für große Leute ist hoch, doch direkt neben der Tür findet sich noch eine Klingel, die Sim bequem erreichen kann. Als er sie drückt, ertönt ein melodisches Flötenspiel und bald darauf öffnet sich die Tür. Ein riesiger, roter Kater steht darin und sucht erst einmal vergeblich nach dem, der geklingelt hat. Dann fällt sein Blick auf den Boden und er zuckt zusammen.
„Oh, äh, hallo. Die Schaustellerfamilie, wie ich annehme?“
„Die Marionettenspieler“, sagt Papa Wuchholzki nicht ohne Stolz. „Ist denn der Zauberer Lumer Kadepiedl zu sprechen? Wir haben da ein… kleines Problem. Wobei, ein Problem ist es gar nicht. Wir wollten nur fragen… Ähm…“ Papa kratzt sich unbeholfen am Kopf.
„Ich bin lebendig geworden und finde das toll. Kann das so bleiben? Holen Sie doch bitte schnell den Zauberer.“ Eine kleine, blonde Person steht da und blickt zu Xander hinauf. Und vier Kinder stehen neben ihr und haben den Kopf in den Nacken gelegt, um ihm ins Gesicht zu sehen.
„Alle Achtung“, sagt er und dreht sich ins Haus.
„Kommen Sie doch bitte alle herein. Lumer ist noch nicht wieder da, doch Peter, der zweite Zauberer befindet sich im Studierzimmer.“ Die gesamte Familie folgt ihm ins Haus.
Aus der Küche ruft eine Stimme: „Wer ist denn gekommen, Xander? Soll ich Tee aufsetzen?“
„Nein, oder… Ja. Hast du ein paar sehr kleine Tassen?“ Xander bleibt an der Tür zur Küche stehen und sieht hinein. Da steht Waldemar. Er rührt gerade einen Teig an und blickt fragend zu Xander.
„Wie klein ist denn sehr klein?“
„So klein“, piepst es neben ihm. Niemand hat bemerkt, dass Marie stracks in die Küche marschiert ist.
„Das stimmt nicht. Der Rest der Familie ist größer.“ Sa steht nun auch in der Küche.

„Wir können die Verhandlungen auch gut in der Küche weiterführen.“ Xander hört sich langsam ein wenig genervt an. Da geht die Tür zum Studierzimmer auf. Peter sieht interessiert hinaus. „Gibt es Probleme?“
„Eigentlich nicht. Zegeros Lackienen hat eine unserer Marionetten lebendig gezaubert. Sie ist ein tolles Mädchen und wir wollen nur wissen, wie es jetzt weitergeht.“
Papa Wuchholzki blickt erstaunt und… ein wenig stolz auf seinen Sohn.
„Sie ist eine von uns!“, sagt Sa.